Neulich las ich einen Artikel in der ZEIT über das Bauprojekt der Elbphilharmonie in Hamburg. Die erste Entwürfe für dieses Projekt wurden 2003 vorgestellt, Kostenpunkt damals etwa 187 Millionen Euro. Finanziert werden sollte das Projekt mit Spenden und dem Verkauf von Wohnungen und eines Hotels, also völlig ohne Steuergelder.
Vier Jahre später, 2007, lagen die geschätzten Kosten schon bei 241 Millionen Euro, davon 114 Millionen Euro aus Steuergeldern. Jetzt, 2010, liegen die Kosten bei 503 Millionen Euro, davon 323 Millionen Euro aus Steuern.
Ähnliches gilt auch für die Ferstigstellung. Noch 2007 ging man von einer Fertigstellung im Jahre 2010 aus. Im Frühjahr 2009 hieß es schon November 2011 und Anfang diesen Jahres schätzte man den Fertigstellungtermin auf Ende 2012. Immerhin wurde im Mai diesen Jahres schon Richtfest gehalten. Keiner weiß, ob die Kosten nicht noch mehr steigen oder ob der Fertigstellungstermin nicht noch weiter nach hinten verschoben wird.
Warum nur muß ich bei Thema Elbphilharmonie sofort an das Bahnprojekt Stuttgart 21 denken? Wie "billig" war das Projekt doch zu Beginn der Planung 1995, als man die Gesamtkosten auf etwa 4,8 Milliarden D-Mark schätzte (Bahnhof Stuttgart und Neubaustrecke Wendlingen-Ulm). 2008 lagen die vom Landtag geschätzten Kosten dann schon bei etwa 5 Milliarden Euro. Der Bundesrechnungshof jedoch errechnete Ende 2008 Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro, also insgesamt ca. 6,2 Millionen Euro, während ein Gutachten von BUND und den Grünen Gesamtkosten von 6,9 - 8,7 Milliarden Euro vorsieht, abhängig vom Ansatz der Baukostensteigerungen. Außerdem weiß keiner, wie teuer der Tunnelbau durch die Schwäbische Alb wirklich wird. Im Juli 2010 werden sie auf 2,89 Milliarden Euro geschätzt (2005: 2,025 Milliarden).
Schaut man sich die offizielle Homepage des Projekt an, so soll durch S 21 unter anderem der PKW/LKW Verkehr der Region gesenkt werden. Dabei fragt man sich, wie der LKW-Verkehr verringert werden soll. Denn aus einer Studie im Auftrag des Umweltbundeamts geht hervor, dass die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm für den Güterverkehr mehr oder weniger nutzlos ist. Der Albaufstieg hat eine Steigung von bis zu 31 Promille, so daß nur leichte Güterzüge die Strecke nutzen können. Vor allem empfielt das Gutachten, das Projekt umgehend zu stoppen, u.a. weil es "kein Nadelör beseitigt, sondern neue schafft" - die derzeit 17 Bahnsteige sollen künftig auf acht reduziert werden. Die Studie geht außerdem davon aus, dass die Kosten auf bis zu elft Milliarden Euro steigen werden.
Zurück zur Projekthomepage: Vorteile nennt die Bahn auch bei verkürzten Fahrzeiten. So soll die Strecke Tübingen-Stuttgart von 61 auf 41 Minuten und von Ulm nach Stuttgart von 54 auf 28 Minuten verkürzt werden. Die Frage ist nur, wie die Fahrzeiten wären, wenn die Bahn ihr Schienennetz besser pflegen würde.
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