Samstag, 8. August 2009

Deutschland - Dienstleistungsland

Ich wollte heute morgen einkaufen gehen, mir dabei eine leckere Brezel kaufen um dann in aller Ruhe auf dem Balkon zu frühstücken.

Theoretisch, also laut Hinweisschild an der Ladentür, öffnet um 8 Uhr der Milchladen, ebenfalls ab 8 ist (theoretisch) Wochenmarkt. 'Passt perfekt', denke ich mir, als ich um halb 8 aufstehe. 'Dann bin ich um 8 beim Milchladen und gehe anschließend direkt auf den Markt und bin spätestens um halb 9 wieder zuhause.'
Um 7.59 Uhr schließe ich mein Fahrrad vor dem Milchladen ab. Die Tür ist noch geschlossen. Kein Problem, es ist ja auch noch nicht 8. Aber es wird 8.00 Uhr, es wird 8.01 Uhr und Kunde Nr. 2 ist da. Kurze Zeit später kommen Kunde Nr. 3 und 4, die Uhr zeigt 8.04. Dann hört man ein "klack" und die Tür lässt sich öffnen. Vier Minuten zu spät.

Nächste Station: Wochenmarkt. Ab 8 Uhr heißt es. Als ich gegen 8.10 Uhr auf den Markt komme, herrscht dort reges Treiben. Aber nicht die Kunden wuseln eifrig umher. Nein, es sind die Standbetreiber, die ihre Stände bestücken. Zwischen umherstehenden gestapelten Kisten und Einräumern werde ich bedient. Gurke, Rauke, Salat, Nektarinen, all das muß die nette Dame, die mich am Stand bedient, aus noch irgendwo versteckten Kisten holen. Aber ich war nicht die erste am Stand. Eine weitere Frau verlangt sogar noch nach Melone, die völlig zu unterst steckt. Glücklich mit meinen Einkäufen und das Mittagessen gerettet, gehe ich zum nächsten Stand: eine Bäckerei. Wenn man es weiß. Denn außer einem leeren Stand und einer jungen Dame dahinter, gab es noch nichts. Nicht einmal irgendwelche Körbe, aus denen meine Brezel und Brötchen hätten genommen werden können, standen in Sichtweite.

Brezellos gehe ich zurück zum meinem Fahrrad und bemerke beim Aufschließen, dass Kundin Nr. 1 vom Gemüsestand etwas bedrückt neben ihrem Auto steht und ein Beamter des Ordnungsamts mit ihrem Mann telefoniert. Ihr Delikt: Parken an einer Bushaltestelle, die gleichzeitig auch Ausweichmöglichkeit für entgegenkommende Busse dient. Und da in dem Fall nicht der Halter, sondern der Fahrer verantwortlich ist und der Fahrer bzw in diesem Fall die Fahrerin keinerlei Papiere bei sich hatte, mußte der Halter des Wagens die Identität der Dame bestätigen. Leider habe ich nicht mitbekommen, wie teuer dieses kurze Parken für die Dame wurde.

Nachtrag: Die nächste von mir angesteuerte Bäckerei hatte überraschender Weise schon offen, obwohl es erst 8.25 Uhr war und das Geschäft eigentlich erst um 8.30 Uhr öffnen sollte.

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