Tübingen ist immer noch eine einzige Baustelle. Von ursprünglich vier, durchfahre ich jetzt nur noch drei Baustellen auf dem täglichen Weg zur Arbeit. Sämtliche Bauarbeiten verzögern sich, eine davon sicherlich um ein dreiviertel Jahr. Jetzt dürfen wir schon Samstags kostenlos Bus fahren, als Dankeschön, dass die Fahrgäste durch die Mühlstraßenbaustelle Umstände in Kauf nehmen mußten. Natürlich fahren dann auch Nichtfahrgäste wie ich. Aber ehrlich gesagt, da bin ich mit dem Rad - oder fast auch zu Fuß schneller als mit dem Bus. Der tägliche Weg zur Arbeit beispielsweise. Mit dem Rad eine Fahrzeit von 9 - 10 Minuten. Mit dem Bus 20 Minuten. Zu Fuß bin ich zwischen 25 und 30 Minuten unterwegs, je nach Ampelschaltung.
Aber zurück zu den Baustellen. Die definitiv teuerste Baustelle ist die Mühlstraße. Diese ist schon zum Gespött der Tübinger geworden. Straße, Schulberg und Mauer wurden angeblich exakt untersucht und vermessen. Wie ist die Konsistenz von Mauer und Berg, wieviel Platz brauchen Busse, Radfahrer und Fußgänger. Man maß, plante und baute. Und plötzlich stellte man überrascht fest, dass die Mauern der Stadtmauer dicker sind als angenommen, dass der Boden feuchter ist als gedacht. Dadurch ergeben sich Mehrkosten von etwa 660.000 €. Allem Spott zum Trotz wird jetzt schon seit einigen Wochen von einem Schildbürgerstreich geredet. Denn als der erste Schock in der Bevölkerung verdaut war, stellte man fest, dass man beim vermessen der Straße die Außenspiegel der Busse vergessen hatte. Die Bordsteine der sanierten Straße waren zu nah an die Mauer gesetzt worden, so dass die Busse beim vorbeifahren zwangsläufig daran streifen. Und keiner will es gewesen sein, schon gar nicht unsere allseits beliebte Baubürgermeisterin Schreiber. Die Leserbriefschreiber im lokalen Käsblatt überschlagen sich. Die beste Idee hatte Frank Klafke. Er erfand für Tübingen den Beruf des Busspiegelklappers. Vor der Mühlstraße steht ein Klapper und klappt die Spiegel ein, am Ende steht ein zweiter und klappt sie wieder aus.
Am 28. November sollen die Busse wieder Fahren. Wenn man sich aber ein aktuelles Bild der Mühlstraße anschaut, fragt man sich, wie das gehen soll.
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